Wer seine Website seit 2025 über die Google Search Console beobachtet, hat es vermutlich schon gesehen: Die Impressionen bleiben stabil, aber die Klicks gehen zurück. Der Grund ist in den meisten Fällen nicht ein Rankingverlust, sondern eine neue Komponente auf der Suchergebnisseite: die AI Overview, Googles KI-generierte Zusammenfassung direkt über den klassischen Suchergebnissen.

Was die aktuellen Zahlen zeigen

Die Analysefirma Sistrix hat für den deutschen Markt über 100 Millionen Keywords ausgewertet. Das Ergebnis: AI Overviews kosten deutschen Websites zusammen rund 265 Millionen organische Klicks pro Monat. Im Durchschnitt über alle Branchen sinkt die Klickrate um 6,6 Prozent, sobald eine AI Overview erscheint. Dieser Durchschnitt verdeckt aber große Unterschiede. Während Online-Shops kaum betroffen sind, verlieren informationslastige Branchen wie Gesundheit oder Bildung bis zu 24 Prozent ihrer organischen Klicks.

Besonders deutlich wird der Effekt auf Position 1. Laut Sistrix sinkt die Klickrate dort von durchschnittlich 27 Prozent auf nur noch 11 Prozent, sobald eine AI Overview angezeigt wird, ein Rückgang von fast 60 Prozent. Eine Analyse von Ahrefs mit 300.000 Keywords bestätigt den Trend in ähnlicher Größenordnung, dort liegt der gemessene Rückgang der Klickrate auf Position 1 sogar bei 58 Prozent. In Deutschland erscheinen AI Overviews aktuell bei rund 20 Prozent aller Suchanfragen, im Long-Tail-Bereich sogar bei rund 30 Prozent.

Auch ein kontrolliertes Experiment aus den USA liefert belastbare Daten: Forscher der Indian School of Business und der Carnegie Mellon University haben 1.065 Nutzer zufällig in Gruppen mit und ohne AI Overview eingeteilt. Ergebnis: Mit AI Overview sanken die ausgehenden organischen Klicks um knapp 40 Prozent, während die sogenannten Zero-Click-Suchen (Suchen ohne jeden Klick) um gut ein Drittel zunahmen.

Eine Studie von Seer Interactive liefert dazu eine wichtige Einschränkung: Marken, die innerhalb der AI Overview als Quelle genannt werden, verlieren deutlich weniger als Marken, die nicht genannt werden. Wer zitiert wird, erhält mehr als doppelt so viele Klicks wie eine nicht genannte Quelle, bleibt aber trotzdem unter dem Niveau einer Suche ohne AI Overview.

Was das praktisch bedeutet

Die Kernaussage aus allen genannten Studien ist dieselbe: Sichtbarkeit in der Suche reicht nicht mehr aus. Entscheidend ist, ob die eigene Website innerhalb der KI-Zusammenfassung als Quelle zitiert wird. Das verändert, worauf es bei der Optimierung einer Website ankommt.

1. Klare, zitierfähige Antworten im Text platzieren. AI Overviews ziehen bevorzugt kurze, präzise Antworten auf konkrete Fragen heran, nicht lange Marketingtexte. Eine Seite, die eine Frage in ein bis drei Sätzen direkt beantwortet und diese Antwort dann vertieft, wird eher zitiert als eine Seite, die erst über mehrere Absätze zur Sache kommt.

2. Strukturierte Daten konsequent einsetzen. FAQ-Schema, Artikel-Schema und vergleichbare strukturierte Auszeichnungen helfen Suchmaschinen und KI-Systemen, Inhalte korrekt einzuordnen und als Quelle zuzuordnen. Das ist einer der Gründe, warum FAQ-Schema inzwischen auf praktisch jeder Unternehmensseite Sinn ergibt, nicht nur auf der Startseite.

3. Die eigene Search Console gezielt beobachten. Seit Mitte 2026 zeigt die Search Console einen eigenen Bereich für Impressionen aus AI Overviews und dem KI-Modus, getrennt von normalen Web-Ergebnissen. Klickdaten liefert dieser Bericht bisher nicht, aber die Impressionen zeigen zumindest, bei welchen Suchanfragen die eigene Seite überhaupt als Quelle in Frage kommt. Wer hier über mehrere Monate stabile Rankings, aber sinkende Klicks beobachtet, hat wahrscheinlich einen AI-Overview-Effekt vor sich, keinen SEO-Fehler.

Fazit

AI Overviews sind kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein fester Bestandteil der Google-Suche, auch in Deutschland. Für Unternehmensseiten heißt das nicht, dass klassisches SEO überflüssig wird. Ranking bleibt die Voraussetzung dafür, überhaupt als Quelle in Frage zu kommen. Was sich ändert, ist das Ziel der Optimierung: Es geht nicht mehr nur darum, in den Suchergebnissen zu erscheinen, sondern darum, als zitierte Quelle innerhalb der KI-Antwort zu landen. Wer seine Inhalte entsprechend klar strukturiert, verliert bei diesem Wandel am wenigsten.